Doppelt bauen und dadurch Geld sparen

Diese Vorteile hat der Hilti BIM-Projektservice

Hayo Meijs / Markus Schmitz

Mai 2020  I  4 Minuten  I  Digitalisierung, BIM, Kompetenz, Ankerschiene HAC

 

Wer ein Haus bauen will, braucht dafür einen Plan. Mit der Planungsmethode BIM wird dieser Plan allerdings so genau, dass das vollständige Gebäude sozusagen erst digital gebaut wird, bevor in der Realität die ersten Mauern hochgezogen werden. Klingt nach einem erheblichen Mehraufwand, spart dem Bauherrn letztendlich allerdings viel Zeit und Geld und unterstützt nachhaltiges Bauen durch kluge Planung und die richtige Produktauswahl.

Um zu erfahren, wie das gehen soll, sind wir in Hamburg mit Markus Schmitz und seinem Kollegen Hayo Meijs verabredet. Die beiden BIM Project Manager arbeiten momentan an einem Großprojekt in der Hamburger HafenCity mit. Im Gespräch verraten sie uns, wie der BIM-Projektservice funktioniert und warum er sich lohnt.

Ihr beiden kommt gerade von einer der größten Baustellen in Europa. Was wird dort gebaut?

Markus: An einem Standort direkt am Hamburger Hafen, in der Nähe der Elbphilharmonie, wird mit dem Überseequartier ein neuer Stadtteil gebaut. Da werden neben einem Kreuzfahrt-Terminal und einem großen Einkaufszentrum, drei Hotels und einem Kino auch Büros und Wohnhäuser entstehen.

Hayo: Insgesamt geht es dort um eine Fläche von knapp 100.000 Quadratmetern. Momentan ist von Gebäuden noch nichts zu sehen, sondern nur eine große Grube für die Tiefgaragen. Es wurden aber schon die ersten Betonagen dafür gemacht und ein paar Wände hochgezogen.

 

Welche Rolle hat denn Hilti auf dieser Baustelle?

Hayo: Als Einstieg haben wir unsere Planung in Kombination mit der Ankerschiene HAC 30 eingebracht. Die ersten Schienen wurden sogar schon einbetoniert. Im zweiten Schritt hat sich der Investor auch für unsere BIM-Planungsservices entschieden.

Markus: Für Hilti Deutschland ist es der bisher größte Planungsauftrag. Wir planen den Befestigungssupport für die komplette technische Gebäudeausstattung (TGA) wie Heizung, Kälte- und Klimatechnik, Lüftung oder Elektro. Dabei starten wir mit einem Grundkonzept, kümmern uns dann um statische Berechnungen und das Design und führen alles in einem digitalen BIM-Modell zusammen. Wir bauen also zweimal: zuerst digital und dann real auf der Baustelle.

 

Und ich dachte immer, dass Hilti Geräte und Verbrauchsmaterial verkauft. In diesem Fall übernehmt ihr aber primär die Planungsleistung, oder?

Hayo: Wir füllen hier die Lücke, die wir oft auf Baustellen sehen. Unterschiedliche Ingenieursbüros planen die unterschiedlichen Gewerke der TGA und vergessen immer wieder, dass sie gemeinsam an Wänden oder Decken befestigt werden müssen. Dadurch fehlt der Fokus auf Optimierung, indem man die Leitungen nicht einfach nebeneinander verlegt, sondern intelligent kombiniert.

Markus: Normalerweise kommen wir mit unseren Produkten erst auf der Baustelle an, wenn die Planung bereits abgeschlossen ist. Durch den Planungsservice sitzen wir bereits mit den anderen Fachplanern am Tisch und können früher unsere Lösungsmöglichkeiten einbringen. Im ersten Schritt liefern wir nur die Ingenieursleistung, können dem Kunden aber im gleichen Moment passende Produkte von Hilti empfehlen.

 

Welchen Vorteil haben die Kunden aus dieser Kombination?

Markus: Kunden profitieren natürlich von unserem Know-How in der Befestigungstechnik, das spezialisierte Planungsbüros gar nicht haben, weil sie sich darum nie kümmern müssen. Durch Verschlankung und Vormontage im Werk gelingt es uns auch, dem Kunden Zeit und Material einzusparen. Das macht tatsächlich 50 bis 60 Prozent Ersparnis in diesen Bereichen aus.

 

Lohnt sich das denn auch für kleinere Bauprojekte?

Hayo: Das ist durchaus auch für kleinere Projekte geeignet. Wichtig ist nur, dass man sich möglichst früh über das Vorgehen Gedanken machen sollte. Wenn der Beton sozusagen schon auf der Baustelle ist, ist es zu spät. 

Markus: Denkbar ist auch, dass der BIM-Projektservice nur für einen Teil des Bauvorhabens genutzt wird. Wenn beispielsweise die Installationsschächte sehr schmal oder schwierig zu belegen sind, bitten Kunden uns um Hilfe, um nur diesen Bereich des Gebäudes effizient zu planen und Probleme auf der Baustelle zu vermeiden.

 

2019 hat Hilti das BIM Experience Center in Rotterdam eröffnet. Was wird dort gemacht?

Hayo: Dieses Zentrum soll dafür sorgen, dass alle Kollegen in Europa bezüglich BIM auf dem gleichen Stand sind. Dazu finden regelmäßig Trainings und Master Classes statt. Zudem unterstützt und berät unser Team in Rotterdam die BIM Project Manager in den einzelnen Ländern bei den Planungen. Und hier sitzen auch die BIM Modeler, die den digitalen Plan erstellen.

Markus: Wir nutzen das BIM Experience Center auch zur Demonstration für den Kunden. Dort kann er sehen, wie die Software funktioniert, wie eine Designoptimierung aussieht und welches Einsparpotenzial eine integrierte Planung bietet. Zusammengefasst geht es hier also um internen Kompetenzaufbau, das Modeling sowie eine anschauliche Erlebniswelt für den Kunden.

 

Zurück zum Auftrag in Hamburg: Was war denn der Schlüssel, der den Kunden überzeugt hat – die Ankerschiene HAC 30 oder die BIM-Planung?

Markus: Ich würde sagen: Es war 50:50. Für den Kunden war vor allen Dingen unsere interdisziplinäre Planungsleistung interessant, weil sich dadurch viel Geld einsparen lässt. Und im nächsten Schritt haben wir dann die Vorteile unserer Ankerschiene vorgestellt, was den Kunden dann doppelt überzeugt hat.

 

Solche Schienen gibt es bereits auf dem Markt. Was unterscheidet die Schiene von Hilti von denen anderer Hersteller?

Markus: Wir haben bei den Ankerschienen das vollständigste Portfolio auf dem Markt und damit die ideale Schiene für jede Anwendung. Mit der Ankerschiene HAC 30 lassen sich geringere Randabstände realisieren als mit vergleichbaren Produkten. Und trotz dem schlankeren Design können höhere Lasten abgeführt werden. Zudem ist das Profil der Schienen natürlich kompatibel zu unserer gesamten Installationstechnik.

 

Etwas Größeres wie ein Stadtviertel kann fast nicht mehr kommen. Gibt es trotzdem Planungsprojekte, die ihr euch wünschen würdet?

Hayo: Ich würde ganz gerne ein komplettes Krankenhaus planen. Da ist die Dichte an TGA-Gewerken nämlich auch sehr groß. Zudem spielen Brandschutz und Überkopf-Befestigungen hier eine große Rolle. Das wäre in Sachen BIM-Planung sicherlich sehr interessant.

Markus: Bei mir sind es Projekte, die hoch hinaus gehen. Ich denke da vor allem daran zurück, wie beeindruckt ich war, als ich die Petronas Towers in Malaysia gesehen habe. Aber auch andere hohe Gebäude wie der Burj Khalifa in Dubai oder der Jeddah Tower, der derzeit in Saudi-Arabien gebaut wird, faszinieren mich. Solche Projekte sind geradezu prädestiniert für eine BIM-Planung. Und auch für extremste Konstruktionen können wir von Hilti die passenden Lösungen anbieten.

Wir bedanken uns für das Gespräch.

 

Hayo Meijs

Seit drei Jahren ist Hayo Meijs als International BIM Project Manager für Hilti tätig. Der 52-Jährige hat sich dabei beim Aufbau des BIM Experience Centers in Rotterdam eingebracht. Sein Lieblingsgerät hat er nicht zuhause, kann es aber in der Arbeit ab und zu nutzen: die Totalstation PLT 300.

Markus Schmitz

Der 42-Jährige BIM Project Manager Markus Schmitz arbeitet seit fast 10 Jahren für Hilti. Dabei hat er auch als Account Manager in der Industrie sowie als Field Engineer gearbeitet. Er selbst hat kein Lieblingsgerät, aber seine Frau nutzt gerne den kompakten Akku-Bohrschrauber SF 2-A.

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