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UNFÄLLE AUF DER BAUSTELLE – KÖNNEN SIE SICH DAS LEISTEN?

Das Risiko für Arbeitsunfälle ist im Baugewerbe wesentlich höher als in anderen Branchen

Wenn man Ihnen bei einem Unfall einen Verstoß gegen relevante Vorschriften nachweist, fallen empfindliche Strafzahlungen und Bau-Stopps an – für ein Unternehmen im Mittelstand kann das den Ruin bedeuten. Und: Bei grob fahrlässigem Verhalten stehen Gefängnisstrafen zwischen sechs und zwölf Monaten im Raum.

Arbeitsschutz ist also enorm wichtig. Aber wie funktioniert es im Alltag? Wie lassen sich Unfälle und Geldbußen vorbeugen? Wir haben mit denjenigen gesprochen, die es wissen müssen.

3 Von 10

kleinen und mittelständischen Unternehmen...
...gehen in Europa nach Strafzahlungen wegen Verstößen gegen Arbeitssicherheitsgesetze insolvent.¹

35 %

aller Arbeitsunfälle...
...passieren ungelernten Arbeitskräften.²

700.000 Unfälle

geschehen pro Jahr...
...alleine auf europäischen Baustellen.³

Unfallbedingte Ausfälle treffen vor allem den Mittelstand

Mit knapp 40 Angestellten ist die Metallbau Obersulm GmbH & Co.KG bei Heilbronn ein klassischer Mittelständler. Betriebe wie diesen treffen unfallbedingte Ausfälle von Mitarbeitern besonders hart. Denn neben möglichen Straf- und Ausgleichszahlungen ist es vor allem die Arbeitskraft selbst, die kurzfristig ersetzt werden muss. Das ist in Zeiten des Fachkräftemangels beinahe unmöglich.

„Wir sind zum Glück bis heute vor schlimmeren Unfällen unserer Mitarbeiter verschont geblieben“, erklärt Betriebsleiter Markus Häfele. Aber das ist nicht die Regel, besonders nicht, wenn auch Langzeitschäden mit in Betracht gezogen werden: 90 % mehr Fälle von Erkrankungen des Bewegungsapparats werden in der Bauindustrie im Vergleich anderen Industriezweigen gemeldet, und auch die Unfallrate ist mit 700.000 Unfällen im Jahr auf europäischen Baustellen höher als in fast allen anderen Gewerben.

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Fehlende Sicherheit befeuert den Fachkräftemangel

Bernhard Arenz, Leiter der Hauptabteilung Prävention der BG BAU, erklärt: „Der Arbeitsschutz sollte weder nur als ‚Einhalten von Vorschriften‘ noch als ‚Kostenfaktor‘ verstanden werden. Vielmehr geht es um die Sicherheit und die Gesundheit der Beschäftigten und das Vorbeugen von Betriebsstillständen.“ Den Fachkräftemangel in der Baubranche sieht Bernhard Arenz nicht zuletzt in den hohen Unfallraten im Baugewerbe begründet: „Die Baubranche hat teilweise ein Imageproblem. Nur wenn Risiken verringert und Sicherheit garantiert werden, wird der Bau in Zukunft wieder attraktiver für Fach- und Nachwuchskräfte.“

 

Die Fülle an Vorschriften verunsichert Unternehmer

In Europa gibt es unzählige Vorschriften und Bestimmungen zur Arbeitssicherheit. Da ist es eine enorme Herausforderung, im Alltag den Überblick über sämtliche Gesetze und Verordnungen zu behalten. „Über kurz oder lang müssen wir wohl jemanden einstellen, der ausschließlich für die Arbeitssicherheit verantwortlich ist“, scherzt Markus Häfele. Weder für Häfele noch für die meisten anderen mittelständischen Unternehmer wäre das wirtschaftlich sinnvoll.

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Bisher übernimmt der Chef also selbst den Arbeitsschutz und kümmert sich um die Gefährdungsbeurteilung, die Unterweisung der Mitarbeiter und die Bereitstellung der persönlichen Schutzausrüstung. Eine Alternative ist die Betreuung durch die BGs, die verpflichtet sind, diese für Unternehmen bis 50 Mitarbeiter zu übernehmen.

Auf der Baustelle ist dann der Montageleiter für den Arbeitsschutz verantwortlich. Für gewerkübergreifende Gefährdungen ist oft ein Sicherheits- und Gesundheitskoordinator tätig, der vom Bauherrn beauftragt wird. „Wer beim Thema Arbeitsschutz nicht die entsprechenden Kenntnisse besitzt, kann sich fachkundig beraten lassen. Wir unterstützen den Unternehmer durch eine Vielzahl von Präventionsleistungen.“ sagt Bernhard Arenz von der BG BAU.

Arbeitssicherheit in Theorie und Praxis – das ist oft ein Unterschied

Die Dokumentation und Bereitstellung von sicherheitsrelevanten Informationen nehmen heute oft mehr Zeit in Anspruch als die eigentliche Arbeit. Das hat auch Markus Häfele so erfahren. Gleichzeitig läuft gerade auf dem Bau nicht alles nach „Schema F“.  „In der Praxis gibt es einen gewissen Graubereich, in dem sich die Gewerke bewegen“, betont der Metallbauer aus Obersulm.  Vor allem wenn die Zeit drängt, steht der Arbeitsschutz oft hinten an. „Was der Mitarbeiter letztendlich draußen macht, lässt sich als Unternehmer nicht permanent kontrollieren“, so Häfele.

Bernhard Arenz appelliert deshalb auch an den Anwender selbst: „Beschäftigte müssen für die Gefahren am Arbeitsplatz sensibilisiert werden“.  Denn werden Vorschriften nicht penibel eingehalten, kann es zu Bußgeldern und zusätzlich Regressansprüchen seitens der BGs kommen. Behörden wie die BG BAU oder die Schweizer Suva, aber auch Gewerbeämter und andere staatliche Träger führen entsprechende Kontrollen durch. Wenn es zu schweren Unfällen kommt, kann auch ein Strafbestand wie zum Beispiel die Baugefährdung vorliegen. Dann ermittelt die Staatsanwaltschaft.

Quellenverzeichnis: 1ScienceDirect | 2ResearchGate, ScienceDirect | 3Hilti

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