Sehr geehrte Damen und Herren,
bei der Prüfung eines Standsicherheitsnachweises einer Konsole, die nunmehr eine deutlich größere Ankerplattendicke haben soll (100 mm statt 12 mm) ist mir aufgefallen, dass (ganz unabhängig von der Geometrie der Ankerplatte und Dübel) das zusätzliche Moment infolge des größeren Abstands der Querkraft zur Betonoberfläche von ihrer Software nicht berücksichtigt wird, müsste es doch zu größeren Zugräften in den Dübeln führen...
Gleiches ergibt sich übrigens wenn eine "Abstandsmontage mit Unterfütterung" modelliert wird.
Bei einem Einspannungsgrad von 1 ist es tatsächlich so, dass dieses Zusatzmoment vollständig durch Biegung der Betonanker aufgenommen wird.
Bei einem Einspannungsgrad > 1, müssten jedoch auch Kraftanteile durch Normalkräfte in den Dübeln ("Rahmenwirkung") aufgenommen werden.
Über eine Antwort dazu wäre ich Ihnen sehr dankbar.
Schöne Grüße !
M. Braun, M.Sc.
Sehr geehrter Herr Braun,
vielen Dank für Ihre Frage.
Sie haben eine interessante Thematik aufgezeigt, die der Rücksprache mit unserer Entwicklungsabteilung bedarf. Wir bitten Sie daher um Geduld, gerne können Sie uns auch nähere Details und erläuternde Unterlagen zu Ihrer Herausforderung per E-Mail an unsere technische Ingenieurberatung unter planer-support@hilti.com senden.
Mit freundlichen Grüßen
Ihre Hilti Ingenieurberatung
Bitte beachten Sie: Auf diese Antwort finden unsereBesonderen Bedingungen der Hilti Deutschland AG für die technische Beratung Anwendung
Sehr geehrter Herr Braun,
vielen Dank für Ihre Geduld.
Nach Rücksprache mit unserer Entwicklungsabteilung können wir Ihnen nachfolgende Informationen zu Ihrer Frage zur Verfügung stellen:
Bei Standardanwendungen wird in PROFIS Engineering die Bemessung von Befestigungsmitteln in Beton auf Basis des EN1992-4 durchgeführt, welche eine biegesteife Ankerplatte voraussetzt. Da eine lineare Dehnungsverteilung analog zur Bernoullihypothese vorliegen muss (vgl. EN 1992-4), wird die Querkraft, die an der Ankerplatte angreift – egal ob oben, mittig oder unten – als reine Querkraft ohne Biegung auf die Dübel angesetzt, da diese über die steife Ankerplatte gleichmäßig auf den Dübel verteilt wird.
Ist die Biegesteifigkeit der Ankerplatte hingegen nicht gegeben, so sind zusätzliche Zugkräfte, welche sich aus der elastischen Verformung der Ankerplatte ergeben, für die Bemessung der Befestigungselemente zu berücksichtigen. In PROFIS Engineering wird dies über die „wirklichkeitsnahe“ Bemessung abgedeckt. Aufgrund von Querkräften entstehen hierbei vergleichsweise kleine Zugspannungen, welche für den Dübel berücksichtigt werden (vgl. Screenshot 1).
Auch bei Abstandsmontagen mit und ohne Verspannung gegen den Untergrund bzw. mit und ohne Unterfütterung liefert die EN1992-4 Vorgaben, wie die Bemessung durchzuführen ist. Gemäß des Screenshots 2 (vgl. EN1992-4) wird bei einer Abstandsmontage die Hälfte der Ankerplattendicke als zusätzlicher Hebelarm für den Nachweis bei einwirkender Querkraft mit Hebelarm angesetzt. Dabei ist es unerheblich, ob Einspanngrad 1 oder 2 gewählt wird.
Grundsätzlich ist die EN1992-4 in Deutschland für die Dübelbemessung in Beton Stand der Technik und als normative Regelung maßgebend. Ingenieurmäßig betrachtet können zwar – unabhängig davon, ob eine Abstandsmontage ausgewählt ist oder nicht – zusätzliche Zugkräfte auf die Dübel auftreten, wenn die Ankerplattendicke vergrößert wird. Allerdings ist dieser Fall nach EN1992-4 nicht nachweispflichtig und auch die einschlägige Literatur – insbesondere sind hierbei die Veröffentlichungen von Prof. Dr.-Ing. Rolf Eligehausen zu benennen – klassifiziert diese zusätzlichen Zugkräfte als unbedeutend ein. Durch den Verlust der Vorspannung, der sich bei Dübelbefestigungen in Beton nicht vermeiden lässt, wird diese Zugkraft nach wenigen Monaten bereits nahezu negiert sein.
Da der Eurocode die etwaigen zusätzlichen Zugkräfte nicht berücksichtigt, werden diese in unserer Software ebenfalls nicht angesetzt. Selbstverständlich besteht die Möglichkeit diese zusätzlichen Kräfte zu berücksichtigen, indem Sie diese den bereits vorhandenen Zugkräften bei Ihrer Eingabe hinzuaddieren.
Mit freundlichen Grüßen
Ihre Hilti Ingenieurberatung
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