Eine Bestandsdecke wird seitlich an einen neuen Überzug angeschlossen. Die Bewehrung in der Bestandsdecke verläuft nicht parallel/senkrecht zum Überzug, sondern in einem Winkel zum Überzug. Wie kann man die Installationslänge berechnen? In der beiliegenden Berechnung wurde zunächst angenommen, dass die Bestandsbewehrung senkrecht/parallel zum Überzug liegt.
Sehr geehrte Frau Geisler,
vielen Dank für Ihre Frage.
Die DIN EN 1992-1 [1] gibt keine klare Aussage, wie mit Ihrem Spezialfall umzugehen ist. Aus diesem Grund ist eine ingenieurmäßige Auslegung notwendig. Grundsätzlich bieten sich Ihnen zwei Möglichkeiten der Verankerung:
Senkrechte Einbindung des nachträglichen Bewehrungsanschlusses
Die zu stoßenden Stäbe sollten möglichst dicht nebeneinander liegen. Wird der lichte Abstand über die Installationslänge größer als 4Ø bzw. 50mm, so ist die Installationslänge um die Differenz zwischen dem lichten Abstand und 4Ø bzw. 50mm zu vergrößern. Hierbei ergibt sich die Frage, inwiefern die Bewehrungseisen beliebig weit auseinander geführt werden können, aber trotzdem noch als Übergreifungsstoß zu verstehen sind. Auch hier liefert die DIN EN 1992-1 keine näheren Infos, allerdings gibt [2] den Anhaltspunkt, dass bis zu einem Abstand von 8Ø - 10Ø sich die Verbundspannungen nebeneinanderliegender Stäbe überlagern. Zusammengefasst bedeutet dies, dass die Übergreifungslänge l0 nur bis zu einem Abstand von 8Ø - 10Ø angesetzt werden kann.
Sollte die so erzeugte Übergreifungslänge nicht ausreichend sein, besteht zudem die Möglichkeit die Bestandsbewehrung während der Installationslänge zu kreuzen.
Nachträgliche Bewehrung im gleichen Winkel wie Bestandsbewehrung installieren
Die zweite Option ist die nachträglich installierten Bewehrungseisen im Bestandsbauteil im gleichen Winkel zu installieren wie die bereits vorhandenen Bewehrungseisen.
Die unterschiedlichen Vorgehensweisen finden Sie als einzelne Dateien anbei skizziert.
Für Rückfragen stehen wir Ihnen gerne hier oder auch unter unserer E-Mailadresse Planer-Support@hilti.com zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
Ihre Hilti Ingenieurberatung
[1] Eurocode 2 - Bemessung und Konstruktion von Stahlbeton- und Spannbetontragwerken – Teil 1-1: Allgemeine Bemessungsregeln und Regeln für den Hochbau
[2] König, G. und Tue, N.V. (1996): Grundlagen und Bemessungshilfen für die Rissbreitenbeschränkung im Stahlbeton und Spannbeton, sowie Kommentare, Hintergrundinformationen und Anwendungsbeispiele zu den Regelungen nach DIN 1045, EC 2 und Model Code 90. Deutscher Ausschuss für Stahlbeton (DAfStb) Heft 466. Berlin: Beuth Verlag
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